Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Betzdorf-Kirchen
Unesco-Projekt-Schulen
     
Zuletzt geändert am: Tue, 28.03.2017 von Peter Härtling

Abiturgottesdienst 2017

Die Kollekte in Eurem Abi-Gottesdienst erbrachte 1.392,35 €. Allen Spendern sei herzlich gedankt!

Das Geld geht zu gleichen Teilen an die Kinderkrebshilfe Gieleroth e.V. und an "Compassion" in Ruanda.

 

Hier zum Nachlesen: Alle Texte und ein paar Fotos aus dem Gottesdienst.

Thema: Du stellst meine Füße auf weiten Raum. (Psalm 31)

 

Einführung ins Thema:

Herzlich willkommen an alle Abiturienten,

herzlich willkommen an alle die, die ihren Weg schon vor Augen haben,

herzlich willkommen an alle die, die noch unsicher sind.

Herzlich willkommen an alle Zufriedenen und an alle Enttäuschten,

Und an alle die, die einfach nur froh sind, dass es vorbei ist.

Herzlich willkommen auch alle Eltern, die mitgefiebert haben und vor Aufregung kaum geschlafen haben.

Und ich heiße alle Lehrerinnen und Lehrer herzlich willkommen,

die die Schüler teilweise jahrelang begleitet haben,

die mit Herzklopfen und Ratlosigkeit oder mit Vorfreude an den Unterricht gedacht haben.

Heute ist es soweit. Alles, worum es in den letzten Wochen, Monaten und Jahren ging wird heute mit diesem Gottesdienst und der gleich im Anschluss folgenden, hoffentlich kurzweiligen, Zeugnisvergabe abgeschlossen.

Heute, in all der Aufregung und Vorfreude wollen wir auch den Weg betrachten, den wir gegangen sind.

Manche kennen sich schon seit dem Kindergarten und der Grundschule, sind zusammen bis hierhin gegangen. Am Gymnasium mussten wir uns nach der Unterstufe neu sortieren, nach Sprachwahl oder Schwerpunktklasse.

In der Oberstufe wurden wir noch einmal ganz neu zusammengewürfelt: Manche neue Freundschaften wurden gebildet und es soll passiert sein, dass bis heute noch neue Gesichter in der Stufe entdeckt wurden. Wir haben zusammen gelacht und die Welt ein bisschen erkundet.

Aber Freundschaften sind auch zerbrochen, wir wurden enttäuscht und Druck, Stress und Angst fanden - besonders in der Oberstufe - Wege in unseren Alltag.

Oft blieb uns angesichts einiger Fächer nur die Frage : Was hat das hier eigentlich mit mir zu tun.

Doch was kommt jetzt? Was bleibt von all den Eindrücken und Erfahrungen aus unserer Schulzeit?

Viele haben Sorgen, Ängste aber auch Vorfreude auf das was vor ihnen liegt. Vielleicht wird die ein oder andere Freundschaft auseinander gehen, wenn sich die Wege trennen, aber neue Freundschaften werden auch geschlossen.

Die Beziehung zu den Eltern wird sich ändern, wenn man vielleicht zum studieren in eine andere Stadt zieht, oder seine Zeit erst mal im Ausland verbringt. Vielleicht gibt es auch den ein oder anderen, bei dem die Zukunft noch ungewiss ist.

Heutzutage haben wir scheinbar unendlich viele Möglichkeiten und ein weiter Raum erschließt sich vor uns. Vieles was in der Zukunft auf uns wartet ist ungewiss und unsicher.

Gerade in dieser Situation gibt uns Gott auch den Zuspruch, dass er unser Leben in den Händen hält und unsere Füße auf weiten Raum stellt.

 

Tagesgebet:

Gott, du Vater,

in all der Zeit und dem Weg, der hinter uns liegt, hast du uns treu begleitet.

Wir danken dir:

- für die Freundschaften, die wir geschlossen haben,

- für die lustigen und schönen Momente,

- aber auch für die traurigen, verzweifelten Momente, in denen du uns die Kraft geschenkt hast, wieder aufzustehen.

 - für die Erfahrungen, die uns geprägt haben.

- und für die Mitschüler und Lehrer, die du uns zur Seite gestellt hast.

Wir bitten dich für den heutigen Tag,

- dass uns schlechte Erfahrungen, die zwischen uns stehen, nicht mehr belasten müssen

- dass du eine gute Gemeinschaft schenkst

- dass jeder den Tag genießen kann, mit welchem Hintergrund auch immer, er zu diesem Gottesdienst gekommen ist.

Lass uns erfahren, dass diese Feier in deinen Händen ruht.

Amen.

 

LESUNG aus Psalm 31:

Gott, in Deine Hände befehle ich meinen Geist; Du hast mich erlöst, du treuer Gott. Ich freue mich und bin fröhlich über Deine Güte, dass Du mein Elend ansiehst und nimmst Dich meiner an in Not, und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; Du stellst meine Füße auf weiten Raum.

Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in Deinen Händen. Lass leuchten dein Antlitz über Deinem Knecht; Hilf mir durch Deine Güte.

 

Ansprache:

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten, liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen, Verwandte und Freunde, liebe Festgemeinde!

Heute stehen Euch alle Wege offen, so wie die Fußspuren hier noch in eine Richtung geradeaus durch den Mittelgang laufen, so ist es ab heute nicht mehr – Du kannst von hier aus in alle Richtungen gehen. Du kannst, ihr könnt, alles sein. (Julia Engelmann) Was für eine besondere Stimmung, was für eine Freiheit! Nach 18, 19 oder 20 Jahren, in denen fast immer über Euch verfügt wurde, jetzt selbst den Kurs und den Weg und das Tempo bestimmen zu dürfen! Die einen packen schon bald den Kleinlaster und ziehen zu Hause aus. Andere genießen es, vorerst am vertrauten Ort und mit vertrauten Menschen zu sein. Freiheit: Du kannst alles machen, musst aber nix.

Wie anders noch die Situation vor fünf Tagen: Du musstest überpünktlich da sein, den zuvor im Schultresor gehüteten Umschlag öffnen und dann dein Wissen präsentieren über Mitochondrien, Erzählperspektiven, Gentrifikation, E-Funktionen oder die Eisenhower-Doktrin. Vorbei! Ich hoffe, ihr könnt schon wieder ruhig schlafen!

Und heute nun der ganz besondere Moment. Ein Moment des Glücks.

Über meinen Schreibtisch hängt eine Fotographie, ein Dokument von einem besonderen Glücksmoment. Es zeigt die Akropolis in Athen, bei Nacht. Um Mitternacht kletterte ich mit meinem Schulfreund auf den finsteren Philopapposhügel, um den hell erleuchteten Parthenontempel, das Erechtheion und den Tempel der Nike zu bestaunen. Ein Moment des Glücks, den wir mit anderen Nachtschwärmern im stockenden Schulenglisch teilten und versuchten, mit unseren schweren Spiegelreflexkameras festzuhalten. Im Dunkeln des Fotos blieb, was bei Tag sonst noch von der Drei-Millionen-Stadt zu sehen gewesen wäre. Das war mir damals ganz Recht so. Mit dem Foto hatten wir das perfekte Geschenk für unseren Schulleiter, der mit Sokrates, Thukydides und Aggamemnon jeden morgen zu frühstücken schien. Und mit Helmut Kohl und Heiner Geißler…

Heute bekommt ihr Eure Zeugnisse und werdet in diesem Moment des Glücks, der Freude, der Freiheit und Erleichterung wahrscheinlich auch alles andere vergessen. Feste soll man feste feiern!

Der Psalm, den ihr für heute ausgewählt habt, der blickt darüber hinaus, der blickt zurück und nach vorn. Zum einen beschreibt er vorsichtig, aber realistisch, in welcher Dunkelheit, in welcher Not menschliche Existenz stecken kann. Und das soll heute, wo sich viele im Zustand des Glücks und der Freiheit befinden, auch angesprochen werden. Viele von Euch durfte ich als Lehrer unterrichten, manche von Euch kenne ich aber sogar schon seit der Kindergarten- und Grundschulzeit. Und diese ganze Zeit war ein Geschenk für mich. Ganz besonders die Zeit mit euch auf Exkursionen wie in Hadamar Solingen oder Stuttgart, in der UNESCO-Teamarbeit, bei Varietes, bei Konzerten und in der gemeinsamen Gestaltung von Schulgottesdiensten.

Ich erinnere mich jedoch genauso an kleinere und größere Dramen, etwa in der Freundschaft, wie sie in jeder Kindheit und Jugend vorkommen und wie sie später längst vergessen sind. Aber es gab auch dramatische Nöte und Ängste und manchmal lebensbedrohliche Erkrankungen – Eure Eltern, Eure Geschwister, Freunde, ihr selbst habt euch da viele Sorgen gemacht. Ich erinnere schwierige Phasen in den Familien, Sprachlosigkeit, Streit und schmerzliche Trennungen. Familienmitglieder verstarben und ihr standet traurig an ihrem Grab. In der Schule selbst lief nicht immer alles rund. Ihr wurdet zum Beispiel in enge Container verfrachtet, die zunächst ohne Heizung waren und die wir Pavillons nennen sollten. Die Situation auf dem Schulklo war für manche ein heftiges Problem. Mit manchen Lehrkräften ward ihr auf Kriegsfuß, fühltet euch manchmal unfair und manchmal respektlos behandelt. Aber das letztere mag auch manchen Lehrern so gegangen sein... Manchen fiel es schwer, das eigene Profil zu schärfen, ohne dabei andere herabzusetzen. Manchmal beschlich mich der Eindruck: Mit gegenseitiger Unterstützung, positiver Aufmerksamkeit und Wertschätzung sind wir an unserer Schule manchmal noch nicht sehr weit gekommen. Nein, es war nicht alles gut, und es ist auch nicht alles gut gegangen. Das ist zwar normal im Leben, aber schön war es eben nicht immer. Manches wird unversöhnt stehen bleiben, manche Wunde ist nur schlecht vernarbt.

Unser Psalm spricht zum anderen davon, dass unser Leben in aller Not und allem Elend vertrauensvoll in Gottes Händen liegt. Ihr könnt sicher sein, Gott sieht unser ganzes Leben mit seinen Augen an. Auch die krummen Wege, die Verletzungen, die Traurigkeit, die Schuld. Ich darf vertrauen, sie sind bei Gott gut aufgehoben, nicht vergessen, aber aufgehoben. Das meint: Sie müssen mich nicht, sie müssen uns nicht immer weiter belasten.

Ich bin kein Freund des Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz, aber es ist etwas dran, wenn er schreibt, dass wir über diese Welt letztlich nur staunen können, wie gut und wie harmonisch vieles gelingt und wie vital vieles ineinander greift. In diesem Licht besehen, scheint manches – nicht alles! - von unserem Leid zumindest im Rückblick unbedeutend und klein. „Ich freue mich und bin fröhlich über Deine Güte, Gott.“ Als Lehrkräfte können wir an vielen Stellen einfach nur dankbar und froh sein, dass es euch gibt, liebe Abiturientinnen und Abiturienten. Wer von uns bildet sich schon ein, dass es an ihm, am Lehrer läge, dass ihr so geworden seid? Der schneidige Oberlehrer Dr. Brett im Film „Die Feuerzangenbowle“ hat keineswegs Recht, wenn er von Schülern wie von jungen Bäumen schwadroniert, die man als Lehrer gerade ziehen, anbinden müsse und das auch könne. Damit will ich nicht in die Totenklage der Pädagogik einstimmen, eher im Gegenteil. Aber Dankbarkeit für Gottes Güte ist es, was ich heute für euch, die erwachsenen Schüler, empfinde und nicht Stolz, als sei eure Bildung auf meinem Mist gewachsen. Eure Schulzeit, mit allen Erfolgen und Tiefen, sie ruhte letztlich in Gottes Hand.

Heute nun ist ein guter Tag, um den Boden unter den Füßen zu spüren und morgen darauf kräftig zu tanzen. Ein weiter Raum öffnet sich. Und es wäre schön, wenn ihr diese Weite euer Leben lang spüren könnt: Gott ist nicht Enge und Strenge, Vertrauen auf Gott ist nicht Blindheit, es ist Weite. Und in dieser Weite habt ihr die Entscheidung, was ihr mit der Zeit, die euch anvertraut ist, anfangt. Gott will sein Antlitz über deinem Leben leuchten lassen. Egal ob in Wuppertal, in Edenkoben, Niederfischbach oder Neuseeland. Egal ob in Lehrbüchern für Steuerrecht, Standardwerken der Mikrobiotik oder in der „Papa App“, die dir erklärt, wie man ein Kinderzimmer heute perfekt einrichtet.

Wenn Gott sein Antlitz über dir leuchten lässt; wenn du spüren darfst, dass Gott dein ganzes Leben sichtbar oder unsichtbar begleitet und dir hilft: Dann gibt er dir auch Augen, den zu sehen, der dich braucht! Sein Antlitz, das Dir leuchtet, das kann auch durch Dich für andere leuchten. Für die, die Dich brauchen. Seit dem Sommer 2015 ist jedem mit Verstand gesegneten Menschen klar, dass wir in einer Welt im Wandel leben. Die Freiheit des Wortes und die Freiheit selbstständig zu denken, ist in Gefahr. Gewissenlose Geister kochen ihr Süppchen mit der Anti-Aufklärung, Leugnung der Wahrheit und inszenierten Fake News. In internationalen Konflikten sterben hunderttausende von Menschen. Millionen sind auf der Flucht. Wer, wenn nicht wir, ob 70, 46 oder 19 Jahre alt, kann hier seine Stimme erheben und menschlich für den Nächsten und seine Freiheit handeln?!

Wenn Gott uns in seine gütigen Hände aufnimmt, wenn Gott uns hilft durch seine Güte und unsere Not sieht – dann macht er uns mächtig: Als Menschen, mit Fehlern und begrenztem Verstand, aber als seine Kinder(!), für andere zu handeln: Dass wir ihre Not sehen, ihnen Zeit und Raum zum Aufatmen schenken und in unseren Händen halten, was sie nicht mehr ertragen können. Der Gott, in dessen Händen unser Leben ruht, der stellt uns auch in den Raum der Verantwortung, für andere zu handeln.

Das ist, nicht erst seit Martin Luther, christliche Freiheit.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der halte unseren Verstand wach und unsere Hoffnung groß und stärke unsere Liebe. Amen

[Schulpfarrer M. Haßler]

 

Fürbitten

1. Allmächtiger Gott, wir beten für alle Abiturienten, die sich ihre Zukunft schon ausgemalt haben. Schenke ihnen Gelingen und halte deine Hände über sie.

Treuer Gott, wir bitten dich ...

2. Liebevoller Gott, wir bitten dich für alle, deren Träume sich nicht erfüllt haben oder die enttäuscht sind. Stehe du ihnen bei und gib ihnen Trost.

Treuer Gott...

3. Tröstender Gott, wir bitten für die Unzufriedenen und Unsicheren. Schenk du ihnen Frieden und Ruhe in dir.

Treuer Gott...

4. Gott der Weisheit, wir bitten für die, die Angst vor der Zukunft und Entscheidungen haben. Sei bei ihnen, wenn die Angst zu groß erscheint und sie ihren weg nicht sehen können.

Treuer Gott...

5. Lebendiger Gott, wir bitten dich für die Eltern, die loslassen müssen, und für die ein neuer Abschnitt beginnt. Schenke ihnen Kraft und Vertrauen in dich.

Treuer Gott...

6. Großer Gott, wir bitten dich für die Lehrerinnen und Lehrer. Segne sie mit Weisheit und Freude für die Herausforderung ihres Berufes.

Treuer Gott...

7. Guter Vater, wir bitten für uns: um Vertrauen auf dich, in diesem weiten Raum auf den du unsere Füße gestellt hast.

Treuer Gott...

 

Segen:

Gott segne den Boden, auf dem Du jetzt stehst,

Gott segne den Weg, auf dem Du jetzt gehst,

Gott segne das Ziel, für das Du jetzt lebst.

Der Ewige segne Dich,

auch wenn Du eine Rast machst auf Deinem Weg.

Er segne, was Dein Wille sucht,

Er segne, was Deine Liebe braucht,

Gott segne, worauf Deine Hoffnung ruht.

So segne Dich der lebendige Gott:

Vater, Sohn und Heiliger Geist!

Amen

 

 

Abiturgottesdienste

Seit vielen Jahren feiert die Schulgemeinschaft des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums zur Verabschiedung ihrer Abiturientinnen und Abiturienten einen festlichen, ökumenischen Gottesdienst. Diese Abiturgottesdienste sind entstanden - und entstehen hoffentlich auch in Zukunft - in enger Zusammenarbeit zwischen Schülern und Lehrern.

Auf dieser Seite findet ihr noch einige Erinnerungsfotos der letzten Abiturgottesdienste. Und in Zukunft auch wieder die Texte :-)

Viel Freude beim Durchblättern!

 

 

 

 

Frühere Abiturgottesdienste

Hier ein paar Fotos aus früheren Jahren, von 2016 absteigend bis 2011.